Der traditionsreiche Homburger Hof blickt auf eine über 200-jährige Geschichte zurück.

Circa 1785 wurde eine Hofreite an der Stelle des heutigen Homburger Hofes von Johann Philipp Bruder übernommen und schon damals wurde sie vermutlich als Schankwirtschaft geführt.

1846

Annoncierte und eröffnete ein großer Tanzsaal im Obergeschoss des Gebäudes welcher sich zunehmender Beliebtheit erfreute.

Das Gasthaus als Kommunikationszentrum mit Stammtisch erlebte auch die politischen Veränderungen des Vormärzes um 1848 mit; hier wurde lebhaft über den Wandel diskutiert; hier pflanzte Peter Bruder am 30.5.1848 die heute noch bestehende Freiheitslinde als Symbol für den Aufbruch in eine neue Zeit.

1855

Reichte Peter Bruder das Gesuch bei der landgräflichen hessischen Landesregierung ein für  ein beschildertes Gasthaus mit Dauerkonzession und Ausschank von Getränken UND Speisen, was auch genehmigt wurde. Ein großer Schritt von wirtschaftlicher Bedeutung für den Homburger Hof.

1904

Wurde im Homburger Hof die erste Gonzenheimer Fassnachtssitzung abgehalten, den etliche Vereine wie z.B. der Gesangsverein Liederkranz und der Turnverein Vorwärts den Homburger Hof als Vereinslokal gewählt hatten.

Während des ersten Weltkrieges machte nicht nur das 1916 erlassene Verbot zur Herstellung von Apfelweines sondern die zunehmende Inflation der Gastwirtschaft Probleme.

1927

Ging die gesamte Leitung des Betriebes in weiblich Hände über; zu dieser Zeit äußerst unüblich. Nach dem Tod der Witwe von Friedrich Bruder wurde am 15.5.1928 deren Tochter Maria Elisabeth,  Bettchen, Inhaberin des Homburger Hofes und leitete diesen gemeinsam mit ihrer Schwester Pauline Rühl sowie deren Tochter Berta Rühl.

1933

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Homburger Hof auch Versammlungslokal der Gonzenheimer Ortsgruppe der SA, welches die Damen Bruder-Rühl als eine geschäftliche Angelegenheit betrachteten.

Eine Anekdote besagt, dass kurz nach der Reichskristallnacht 1939 ein jüdischer Flickschneider von einer kleinen Gonzenheimer Schar SA-Leuten mit Knüppeln bedroht wurde und von Berta Rühl mit Mut und Zivilcourage aus der Gaststätte bis zur Straßenbahnhaltestelle begleitet wurde.

1949

Am 8.8.1949 kam es zu einem verheerenden Brand; Die Gaststätte brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Beherzt und mutig setzte sich die Familie Bruder-Rühl daran den geplanten Neubau des Homburger Hofes umzusetzen. Am 21.10.1950 wurde zur großen Eröffnungsfeier mit dem an der Eingangstür eingelassenen Spruch „Und neues Leben blüht aus den Ruinen“ geladen.

1955

Maria Elisabeth Bruder verstarb im März 1955, Berta Rühl und ihre Mutter Paula führten den Betrieb nun ohne „Bettchen“ weiter.

1963, Berta Rühl verkaufte den Homburger Hof 1981 an Franziska Backhausen mit lebenslangem Wohnrecht. Weiterhin unterstützte sie trotz des fortgeschrittenen Alters das neue Pächterpaar kräftig. Nachdem sie pflegebedürftig wurde zog Berta Rühl in ein Bad Homburger Altenheim, in dem sie 1995 verstarb.

2008

Nach vielen Pächtern und langjährigem Leerstand wurde das Anwesen von Stefan und Ulrike Winter, Inhaber des überregional bekannten Restaurants „Pinocchios Wintergarten“ in Ober-Eschbach 2008 gekauft, aufwendig und behutsam kernsaniert und im Jahr 2009 unter dem neuen und alten Namen Homburger Hof mit dem Restaurant Pinocchio wiedereröffnet.

2017

2017 wird das Hotel Homburger Hof mit dem umgestalteten Restaurant Pinocchios Genusswirtschaft unter der Leitung von Stefan & Ulrike Winter & Silke Winter ein neuer Treffpunkt für gemütliches Zusammensein, Feiern und kulinarische Genüsse.

Quelle: „Gastwirtschaften in Gonzenheim“

Heft 10 Geschichtlicher Arbeitskreis Gonzenheim